Der im Kreis Plön gelegene Selenter See, dessen einmündende Gewässer und seine beiden Abläufe wurden vom Landesamt für Wasserhaushalt und Küsten vom September 1975 bis Oktober 1976 und vom April 1987 bis Mai 1988 hinsichtlich des Wassermengenhaushaltes, der Wasserbeschaffenheit und des Gewässerzustandes untersucht.

Der See hat eine Fläche von 22,4 km2 , seine mittlere Tiefe liegt bei 13,2 m mit einer maximalen Wassertiefe von 35,8 m. Mittels eines Wehres am Auslauf bei Fargau (Salzau) kann die Seespiegelhöhe reguliert werden. Die Wasserspiegelschwankungen betrugen in den Jahren 1956 - 80 85 cm, im Untersuchungszeitraum 1987/88 jedoch nur 39 cm.

Am Ostufer des Sees liegen die Ortschaft Giekau und das Gut Neuhaus, am Südufer befinden sich die Gemeinden Bellin und Selent, am Westufer liegt Fargau und am Nordufer die Ortschaft Pülsen. Die im Osten, Süden und Westen an den Bruchwald bzw. Röhrichtgürtel anschließenden Flächen werden fast ausschließlich als Weide- und Ackerland genutzt, während große Teile des Nordufers mit Laubmischwald bestanden sind.

Aus den Messungen zum Wasserhaushalt ergab sich, bezogen auf das langjährige Mittel 1951 - 80, daß die Abflußjahre 1975/76 zu trocken waren, während die Jahre 1987/88 mehr Regen brachten (112 %) als im langjährigen Mittel fällt. Die Jahresdurchschnittstemperatur der Luft lag - ausgenommen 1987 - höher als das langjährige Mittel. Die Seespiegelschwankung betrug 1975/76 60 cm, 1987/88 39 cm. Die Wasserbilanz für das Einzugsgebiet des Selenter Sees ist im Abflußjahr 1987 positiv. Abfluß und Verdunstung waren um 16 mm (3 %) niedriger als der gefallene Niederschlag. Die Bilanz für 1988 ist ausgeglichen.

Die chemischen Untersuchungen ergaben, daß in den Sommermonaten vor allem in der Tiefe des Sees ein Sauerstoffrückgang zu beobachten ist. Die Jahre 1975/76 zeigen deutlich geringere Werte, verglichen mit denen von 1987/88. Die Werte für die Stickstoffverbindungen Gesamtstickstoff und Nitrit/ Nitratstickstoff unterscheiden sich in den beiden Untersuchungszeiträumen kaum, die Werte für Ammoniumstickstoff liegen 1987/88 um gut eine Zehnerpotenz niedriger als 1975/76. Die Phosphorverbindungen zeigen noch deutlicher eine gleich Tendenz. Es wird vermutet, daß die Abnahme dieser Werte im Durchgang 1987/88 eine folge der in der Zwischenzeit durchgeführten Abwasserbeseitigungsmaßnahme ist.

Der Selenter See wird fast vollständig von einem Erlenbruchwald umgeben, der allerdings am Süd- und Westufer durch Straßen z. T. auf einen engen Streifen begrenzt wird. Eine direkte Bebauung des Ufers ist nirgendwo erfolgt. Seewärts folgt auf den Bruchwald ein Röhrichtgürtel, der an ungestörten Stellen über 50 m breit wird. Am Südufer bildet der Röhrichtgürtel einen fast geschlossenen Bestand, der nur durch wenige Badestellen und einen Segelhafen unterbrochen wird. Das Westufer säumt ein deutlich aufgelockerter und deutlich schmalerer Röhrichtgürtel. Das Nordufer zeigt - wie das Südufer - einen fast durchgehenden und zum Teil recht breiten Röhrichtstreifen. Nur im östlichen Seeteil und bei Fargau ist der als Brandungsufer ausgebildete Bereich ohne Bewuchs. Der Röhrichtgürtel wird vom Gemeinen Schilfrohr geprägt, das in unterschiedlicher Wuchshöhe auftritt.

Unterwasserpflanzen kommen wegen der für schleswig-holsteinische Seen guten Lichtverhältnisse bis in über 5 m Wassertiefe vor. Es wurden insgesamt 18 Arten nachgewiesen, wobei die Armleuchteralge der Gattung Chara, Ähriges Tausendblatt, Kamm-Laichkraut, Teichfaden und Durchwachsenes Laichkraut zahlenmäßig dominieren. Chara ist - besonders in den Mengen, wie sie im Selenter See vorkommt - ein Indiz für geringe Gewässerbelastung. Die flächendeckende Besiedlung an Unterwasserpflanzen weist im Selenter See eine fast lehrbuchmäßige Abfolge auf.

Die Untersuchung der Makrofauna ergab, daß 57 der insgesamt 69 von PAHNKE (1987) nachgewiesenen Arten oder Artengruppen (Taxa) im Bereich der Unterwasserpflanzen vorkommt. Man ersieht hieraus, wie wichtig die Unterwasserflora für eine artenreiche Fauna ist. Andere Habitate wie Hartsubstrat oder der sandig-kiesige Bereich weisen weit weniger Tierarten auf. Den Hauptbestandteil der Makrofauna bilden Schnecken und Muscheln, gefolgt von Insektenlarven und Egeln.

Die Chlorophyllwerte an den Seemeßstellen 10 und 11 liegen im Untersuchungszeitraum 1987/88 zwischen 2 und 13 µg/l, bei einem Mittelwert von 6 µg/l für die gesamte Untersuchungszeit. Verglichen mit anderen schleswig-holsteinischen Seen ist dies ein sehr niedriger Wert. Das Phytoplankton setzte sich aus 7 Blaualgen-, 30 Kieselalgen- und 10 Grünalgenarten zusammen. Typisch für den Selenter See ist, daß die Kieselalgen in Bezug auf Arten- und Individuenzahl das Phytoplankton ganzjährig dominieren. Es findet keine Blaualgenblüte wie in anderen Seen statt. Im Zooplankton wurden 17 Rädertier-, 7 Wasserfloh- und 6 Hüpferlingarten nachgewiesen. Artenzusammensetzung und Abundanz spiegeln die besondere Situation des Sees wider. So gilt z. B. die im See vorkommende Form Bosmina coregoni Kessleri als Anzeiger für mesotrophe Verhältnisse.

Neben Indikator-Arten der Fauna und Flora ergeben auch Berechnungen anhand verschiedener Bewertungsmodelle zur Beurteilung der Trophiestufe, daß der Selenter See als mesotroph einzustufen ist.

Die landschaftliche Schönheit, der für Schleswig-Holstein äußerst seltene Zustand der Mesotrophie, die große Zahl typischer Pflanzen- und Tierarten und eine charakteristische Zonierung der Unterwasservegetation zeigen die ökologische Bedeutung des Selenter Sees. Wenigstens der jetzige biologische Zustand des Sees muß erhalten werden. Dazu wäre zum einen ein "Regulieren" der jetzigen Erholungsnutzung erforderlich. Zum anderen müßten die Nährstofffrachten der größeren Zuflüsse - vor allem der Weddelbek - reduziert werden. Dies kann nur durch einen naturnahen Ausbau mit entsprechen breiten Schutzstreifen realisiert werden.

Physikalisch-chemische Daten
  1 m Tiefe
Frühjahr Jahresmittelwert
Leitfähigkeit bei 25 °C mS/m 36,4 36,3
pH - Wert   8,2 8,3
TOC mg/l - -
DOC mg/l 6 6
Säurekapazität pH 4,3 mmol/l - -
Basenkapazität pH 8,2 mmol/l - -
Chlorid mg/l 30 29
Ammonium-N mg/l < 0,050 0,03
Nitrit-N mg/l - -
Nitrat-N mg/l 0,26 0,11
Gesamt-Stickstoff unfiltriert mg/l 0,78 0,68
Orthophosphat-P mg/l < 0,005 0,00
Gesamt-Phosphor unfiltriert mg/l 0,03 0,03
Sulfat mg/l - -
Silicat-Si mg/l - -
Calcium mg/l - -
Magnesium mg/l - -
Chlorophyll a µg/l 14,8 5,6
Sichttiefe m 4,0 5,2